Schon den ganzen Tag denkt sie an fast nichts mehr anderes, als dass sie am Abend wieder Tango tanzen wird.
Sie überlegt zwischendurch, was sie anziehen könnte. Dann schweifen ihre Gedanken zuweilen zum einen oder anderen Tänzer.
Ob Er wohl auch kommen wird?
Dann ist es soweit, die Nacht senkt sich und in ihrer Magengrube fangen die Ameisen an ihr Nest zu bauen.
Nun hat sie das schon so oft gemacht und doch spürt sie jedes Mal diese leichte Ungeduld, dieses Entzücken, dieses Zittern.
Beim Eintreten in das Gebäude hört sie schon etwas verklärt die Tango Musik und spürt, wie Lust und Freude hoch kommen: „endlich da“.
Sie tritt ein, ein sanftes Lächeln im Gesicht und lässt ihren Blick durch den Raum schweifen.
Auf der Tanzfläche bewegen sich schon einige Paare im Rhythmus der Musik, ganz ineinander versunken.
Es sind auch bekannte Gesichter dabei, sie fühlt sich geborgen.
Küsschen rechts, Küsschen links, wie geht es so?
In dieser Oase sind alle gut gelaunt und haben Spaß.
Sie sucht sich einen Platz und fängt an die Tangoschuhe an zuziehen.
Dabei wirft sie ein paar verstohlene Blicke in die Runde, sie kann ihn noch nicht entdecken.
Aber die Lust gleich zu tanzen ist größer, als die kleine Enttäuschung darüber.
Sie holt sich noch ein Glas Wein an der Bar und überlegt gerade wo sie sich nieder lassen soll, da kommt er ihr entgegen:
„darf ich bitten?“ Ein Schauer durchläuft sie und sie ist stumm vor Freude. Sie nickt lächelnd und folgt ihm auf die Tanzfläche. Sie bleiben kurz voreinander stehen, halten einen Augenblick inne, dann heben sich die Arme wie von alleine in die Umarmung ihrer Körper.
Der erste Augenblick des Tanzes ist immer wie der erste Schluck nach lange erlittenem Durst.
Die Seele möchte aufatmen um sich dann wehrlos an seiner Brust nieder zu lassen.
Die Bewegungen sind im Einklang, die Körper Sehnsuchtvoll zusammengeleimt, die Füße verknotet.
Sie sind verbunden durch diese Lust, die sie durch jeden Schritt zum Ausdruck bringen, die sie beide spüren wenn das Bandoneon klagt.
Dann ist die Musik zu Ende. Die Zeit steht still, sie gehen auseinander,
lächeln sich zaghaft an, als wäre es unangenehm, sich nach so viel Nähe in die Augen zu schauen, um dann beim Einsetzten der Musik erneut aufeinander zu gehen.
Immer und immer wieder geben sie sich dem Zauber der Musik hin. Sie schließt die Augen und bewegt sich schwebend, wie eine Welle, die, angetrieben von einer unsichtbaren Kraft sprudelt, schäumt sich überschlägt oder sanft gleitet.
Die Körper fangen an zu dampfen, der Schweiß rinnt, ihr Rock schwingt hin und her, das Bein fliegt. Die Körper entfernen sich voneinander in der nächsten Drehung, wie um festzustellen, dass man auch wirklich miteinander tanzt, um aus dem entstandenen Abstand wieder aufeinander zugehen zu können.
Ihre Füße fangen an zu schmerzen, aber sie ignoriert es. Die Kehle ist ganz trocken, sie könnte jetzt sowieso nichts sagen. Zwischendurch ein Lächeln…und Schweiß von der Stirn gewischt. Als sich nach mehreren Runden eine leichte Ermattung anfängt spürbar zu machen, weiß sie,
es ist gleich zu Ende.
Noch ein kurzes lächeln: „vielen Dank“, und schon geht jeder in eine andere Richtung.
Berauscht und glücklich setzt sie sich, die Seele ist noch irgendwo in der Mitte der Tanzfläche und weht da wie ein seidener Vorhang im Wind hin und her.
Der Abend wird noch lang, sie hofft auf ein paar weitere Tänze mit ihm; manchmal kommt sie noch in diesen Genuss, manchmal auch nicht.
Ihr Weinglas ist inzwischen leer und ihr Körper voller Euphorie. Sie zieht ihre Schuhe aus und kann ihre Fußsohlen nicht mehr spüren…
Später, wenn sie dann im Bett liegt tanzt sie noch lange mit ihm – in Gedanken.
Dienstag, 6. November 2007
Montag, 5. November 2007
Ich habe dieses Gedicht zwischen Rilke's Gedichten entdeckt, es hat zwar nichts mit Tango zu tun, ist aber trotzdem so schön...
Einmal nahm ich
Einmal nahm ich zwischen meine Hände
dein Gesicht. Der Mond fiel darauf ein.
Unbegreiflichster der Gegenstände
unter überfließendem Gewein.
Wie ein williges, das still besteht,
beinah war es wie ein Ding zu halten.
Und doch war kein Wesen in der kalten
Nacht, das mir unendlicher entgeht.
O da strömen wir zu diesen Stellen,
drängen in die kleine Oberfläche
alle Wellen unsres Herzens,
Lust und Schwäche,
und wem halten wir sie schließlich hin?
Ach dem Fremden, der uns mißverstanden,
ach dem andern, den wir niemals fanden,
denen Knechten, die uns banden,
Frülingswinden, die damit entschwanden,
und der Stille, der Verliererin.
Aus den Gedichten an die Nacht (Nachlaß)
Einmal nahm ich
Einmal nahm ich zwischen meine Hände
dein Gesicht. Der Mond fiel darauf ein.
Unbegreiflichster der Gegenstände
unter überfließendem Gewein.
Wie ein williges, das still besteht,
beinah war es wie ein Ding zu halten.
Und doch war kein Wesen in der kalten
Nacht, das mir unendlicher entgeht.
O da strömen wir zu diesen Stellen,
drängen in die kleine Oberfläche
alle Wellen unsres Herzens,
Lust und Schwäche,
und wem halten wir sie schließlich hin?
Ach dem Fremden, der uns mißverstanden,
ach dem andern, den wir niemals fanden,
denen Knechten, die uns banden,
Frülingswinden, die damit entschwanden,
und der Stille, der Verliererin.
Aus den Gedichten an die Nacht (Nachlaß)
Sonntag, 4. November 2007
Unsere Milonga am Freitag war nicht so voll wie wir das die letzten Male erlebt haben, da im LaYumba auch Milonga mit Life Musik war und sehr viele da hin gegangen sind.
Aber wir hatten trotzdem Spaß, und vor allem viel mehr Platz zum Tanzen.
Und da hat doch tatsächlich eine der Frauen solch eine Strumpfhose angehabt:
Was sagt Mann denn dazu?
Aber wir hatten trotzdem Spaß, und vor allem viel mehr Platz zum Tanzen.
Und da hat doch tatsächlich eine der Frauen solch eine Strumpfhose angehabt:
Was sagt Mann denn dazu?
Samstag, 3. November 2007
London
Die Erfahrung, die ich mit Tango in London gemacht habe war nicht so berauschend. Wir waren nur von Samstag auf Sonntag da, weil wir uns die Tanzvorstellung von Seeta anschauen wollten. Seeta ist Inderin, eine schöne schlanke Frau, die wir in Hamburg kennen gelernt hatten, als sie mit ihrer Tanztruppe hier gastierte und zufällig im Cafè Keese vorbei kam und selber auch Tango tanzt.
Die einzige Möglichkeit also, Tango zu tanzen, war am Samstag nach der übrigens sehr interessanten und schönen Tanzvorstellung - moderner Tanz von verschiedenen jungen Choreographen und Tänzern. Wir fragten Seeta wo man Samstag Nacht in London Tango tanzen kann. Wir waren dann schon überrascht, dass es nur eine Milonga gab, in einer so großen Stadt wie London...Es war inzwischen schon ca 23:30 und wir wurden gerade aus dem Pub, in dem wir noch was trinken waren heraus komplimentiert...Alkohol-Sperrstunde... oder wie auch immer das heißt. Schon sehr merkwürdig wenn man das von hier gewohnt ist, auch mal die ganze Nacht am Kiez durch feiern zu können, wenn man das will.
Wir schnappten uns also ein Taxi, eines von diesen alten, wie sie in London zu Hauf noch unterwegs sind. Man kam sich schon ein wenig wie in einem alten Film vor...
Dann ging es schon los, dass der Taxi Fahrer nicht wusste wo diese Kirche liegt zu der wir wollten. Die Milonga sollte in der so genannten "Krypta" stattfinden. Seeta musste dem Fahrer auf dem Stadtplan die Straße zeigen und wir konnten dann los fahren. Sie ist übrigens leider nicht mit gekommen, sie wollte lieber noch mit ihren Tanzkollegen zusammen feiern.
Wir kamen also Mitternacht da an bei der Krypta. Das war ein Keller Gewölbe, das zu dieser Kirche(ich weiß den Namen leider nicht mehr) gehört. Es war ein schöner großer Raum, mit Stützsäulen natürlich und gewölbter Steindecke. Tja, und dann kam die Überraschung: sie sagten uns, dass es in 20 Minuten zu Ende ist. Wie bitte?? Samstag Nacht um 00:30 Uhr zu Ende? sind wir vielleicht grad in Hintertuttlingen am Berg? Ich konnte das nicht glauben.
Nun, wir mussten keinen Eintritt mehr zahlen...wow! und konnte noch etwa 5 Tangos tanzen. Ich war selten so ausgetanzt wie da...
Tja, da lobe ich mir doch unsere Milongas (und mit Sicherheit auch in anderen Städten) da geht es um diese Zeit Samstag Nacht doch erst richtig rund zu !
Die einzige Möglichkeit also, Tango zu tanzen, war am Samstag nach der übrigens sehr interessanten und schönen Tanzvorstellung - moderner Tanz von verschiedenen jungen Choreographen und Tänzern. Wir fragten Seeta wo man Samstag Nacht in London Tango tanzen kann. Wir waren dann schon überrascht, dass es nur eine Milonga gab, in einer so großen Stadt wie London...Es war inzwischen schon ca 23:30 und wir wurden gerade aus dem Pub, in dem wir noch was trinken waren heraus komplimentiert...Alkohol-Sperrstunde... oder wie auch immer das heißt. Schon sehr merkwürdig wenn man das von hier gewohnt ist, auch mal die ganze Nacht am Kiez durch feiern zu können, wenn man das will.
Wir schnappten uns also ein Taxi, eines von diesen alten, wie sie in London zu Hauf noch unterwegs sind. Man kam sich schon ein wenig wie in einem alten Film vor...
Dann ging es schon los, dass der Taxi Fahrer nicht wusste wo diese Kirche liegt zu der wir wollten. Die Milonga sollte in der so genannten "Krypta" stattfinden. Seeta musste dem Fahrer auf dem Stadtplan die Straße zeigen und wir konnten dann los fahren. Sie ist übrigens leider nicht mit gekommen, sie wollte lieber noch mit ihren Tanzkollegen zusammen feiern.
Wir kamen also Mitternacht da an bei der Krypta. Das war ein Keller Gewölbe, das zu dieser Kirche(ich weiß den Namen leider nicht mehr) gehört. Es war ein schöner großer Raum, mit Stützsäulen natürlich und gewölbter Steindecke. Tja, und dann kam die Überraschung: sie sagten uns, dass es in 20 Minuten zu Ende ist. Wie bitte?? Samstag Nacht um 00:30 Uhr zu Ende? sind wir vielleicht grad in Hintertuttlingen am Berg? Ich konnte das nicht glauben.
Nun, wir mussten keinen Eintritt mehr zahlen...wow! und konnte noch etwa 5 Tangos tanzen. Ich war selten so ausgetanzt wie da...
Tja, da lobe ich mir doch unsere Milongas (und mit Sicherheit auch in anderen Städten) da geht es um diese Zeit Samstag Nacht doch erst richtig rund zu !
Dienstag, 30. Oktober 2007
Wieder in Hamburg
Nach einem wunderschönen Wochenende in Paris, nun wieder Alltag in Hamburg.
Auf dem Rückflug habe ich in einer Zeitschrift bei einer Umfrage folgendes von einem 34 jährigen Projektleiter in der Flugzeugbranche gelesen:
Es ging um die Frage: "Was ist eigentlich sexy"
"Eine Tangotänzerin: hochkontrollierte, leidenschaftliche, geschmeidige, plötzlich kräftige Bewegungen, konzentriertes Gesicht mit Ausstrahlung und Stärke, ein bisschen Aggressivität im Blick, angespannte Muskeln im langen, schlanken Bein, das im hochgeschlitzten Rock immer mal wieder durchblitzt - gleichzeitig sich führen lassen, mitgehen, sich hingeben"
Noch Fragen?
Ich freue mich jedenfalls auf unsere Milonga am Freitag im Cafè Keese! Das ist mein einziger freier Abend diese Woche...
Auf dem Rückflug habe ich in einer Zeitschrift bei einer Umfrage folgendes von einem 34 jährigen Projektleiter in der Flugzeugbranche gelesen:
Es ging um die Frage: "Was ist eigentlich sexy"
"Eine Tangotänzerin: hochkontrollierte, leidenschaftliche, geschmeidige, plötzlich kräftige Bewegungen, konzentriertes Gesicht mit Ausstrahlung und Stärke, ein bisschen Aggressivität im Blick, angespannte Muskeln im langen, schlanken Bein, das im hochgeschlitzten Rock immer mal wieder durchblitzt - gleichzeitig sich führen lassen, mitgehen, sich hingeben"
Noch Fragen?
Ich freue mich jedenfalls auf unsere Milonga am Freitag im Cafè Keese! Das ist mein einziger freier Abend diese Woche...
Montag, 29. Oktober 2007
Tango in Paris
Dieses war mein erster und hoffentlich nicht mein letzter Tango in Paris... ;o)
Ich war auch schon sehr aufgeregt und voller Erwartung und Neugier.
Es hat Zeitlich nur am Samstag Abend geklappt mal in die Tango Szene hinein zu schnuppern. Eigentlich war das eher Nacht als Abend, da erst gegen 24 Uhr so richtig was los war.
Zusammen mit meiner Mutter und meiner Tochter, mit denen ich das Wochenende da verbracht habe, sind wir mit der Metro erst mal ein ganzes Stück weit gefahren bis Montreuil. Wir mussten auch ein mal umsteigen und dann noch eine Stückchen zu Fuß gehen.
Es war schon etwas abgelegen, die Straße eher nicht so befahren und bevölkert. Da ich weiß, das Tango Lokationen in der Regel eher in Hinter Höfen zu finden sind, habe ich auch nicht einen Eingang mit einer großen Leuchtreklame erwartet. Dass ich aber fast daran vorbei laufe habe ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet... Im letzten Moment und auch weil meine beiden Begleiterinnen verkündeten dass wir schon an der Hausnummer, die wir suchten vorbei sind, sah ich an einer Glastüre einen Zettel kleben auf dem man fast nichts lesen konnte - schon gar nicht im Dunkeln... Ich ging näher ran und konnte dann mühsam ein: "Le Chantier", (dem Schreiber muss wohl die Tinte ausgegangen sein...) lesen.
Die Türe war nur mit Gewalt aufzudrücken und im Inneren saß in einem Raum hinter einem Tisch eine schwarze Frau. Ich konnte aber schon leise Tango Töne vernehmen und auf meine Frage, ob hier Tango argentino stattfindet, bekam ich auch ein Kopfnicken, so daß wir erleichtert eintraten.
Le chantier heißt ja soviel wie Baustelle, Lagerplatz. Und das war diese Halle sicher mal gewesen. Ein länglicher Raum war als Tanzfläche aber mit ein paar Stoffbahnen und Kerzen doch recht nett hergerichtet.
Und es waren auch schon einige Tanzpaare da, es war ja immerhin schon 23:30...Aber diese Veranstaltung war bis um 6 Uhr angesetzt, so dass der Abend ja noch jung war.
Ich habe selten so viele gute Tänzer und Tänzerinnen auf einem Fleck gesehen. Man hätte meinen können das sind alles Tango Lehrer(innen) und Meister(?)... Es war sehr aufregend...
Den großartigen Empfang als Besucher - unbekanntes Gesicht - aus einem anderen Land habe ich nicht bekommen, so wie wir das hier machen wenn ein Gast von wo anders kommt...ich spreche auch nicht so gut Französisch...Es hat sich halt niemand dafür interessiert.
Aber ich konnte auch ein paar gute Runden schön tanzen und hatte auch genügend Gelegenheit zu zuschauen (was heißt: ich hätte gerne viel mehr getanzt!)
Bei der Auswahl an schönen guten Tänzerinnen, wie es da war... ist"Mann" wohl nicht unbedingt erpicht gewesen ein unbekanntes Gesicht, bei dem man auch nicht weiß wie sie tanzt aufzufordern. Obzwar an meinem Gesicht ja nichts auszusetzen wäre. ;o
Es war ähnlich wie ich es aus dem Matrix kenne: lauter gute Tänzer da, aber die tanzen nur untereinander. Hey, Jungs, Abwechslung macht das Leben spannender!
Es war trotzdem schön, auch wenn ich mich etwas fremd gefühlt habe.
Meine Mutter und meine Tochter waren total begeistert von dem was sie sehen konnten.
Sie hatten ja auch nicht die Erwartung ganz viel zu tanzen, wurden trotzdem beide mehrfach aufgefordert, haben aber allen abgesagt. Meine Mutter sagte schon: "da ist ein junger Mann zu mir, alter Schachtel gekommen und hat mich tatsächlich aufgefordert!"
Wir sind dann um ca 3:30 aufgebrochen. Nachdem es nicht geklappt hat ein Taxi zu rufen entschlossen wir uns für den Fußweg bis zum nächsten Taxistand. Wir hatten Glück und es kam auch gerade ein Taxi so dass wir dann recht bald in unserem Hotel auf der Place de la sorbonne waren.
Ich war auch schon sehr aufgeregt und voller Erwartung und Neugier.
Es hat Zeitlich nur am Samstag Abend geklappt mal in die Tango Szene hinein zu schnuppern. Eigentlich war das eher Nacht als Abend, da erst gegen 24 Uhr so richtig was los war.
Zusammen mit meiner Mutter und meiner Tochter, mit denen ich das Wochenende da verbracht habe, sind wir mit der Metro erst mal ein ganzes Stück weit gefahren bis Montreuil. Wir mussten auch ein mal umsteigen und dann noch eine Stückchen zu Fuß gehen.
Es war schon etwas abgelegen, die Straße eher nicht so befahren und bevölkert. Da ich weiß, das Tango Lokationen in der Regel eher in Hinter Höfen zu finden sind, habe ich auch nicht einen Eingang mit einer großen Leuchtreklame erwartet. Dass ich aber fast daran vorbei laufe habe ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet... Im letzten Moment und auch weil meine beiden Begleiterinnen verkündeten dass wir schon an der Hausnummer, die wir suchten vorbei sind, sah ich an einer Glastüre einen Zettel kleben auf dem man fast nichts lesen konnte - schon gar nicht im Dunkeln... Ich ging näher ran und konnte dann mühsam ein: "Le Chantier", (dem Schreiber muss wohl die Tinte ausgegangen sein...) lesen.
Die Türe war nur mit Gewalt aufzudrücken und im Inneren saß in einem Raum hinter einem Tisch eine schwarze Frau. Ich konnte aber schon leise Tango Töne vernehmen und auf meine Frage, ob hier Tango argentino stattfindet, bekam ich auch ein Kopfnicken, so daß wir erleichtert eintraten.
Le chantier heißt ja soviel wie Baustelle, Lagerplatz. Und das war diese Halle sicher mal gewesen. Ein länglicher Raum war als Tanzfläche aber mit ein paar Stoffbahnen und Kerzen doch recht nett hergerichtet.
Und es waren auch schon einige Tanzpaare da, es war ja immerhin schon 23:30...Aber diese Veranstaltung war bis um 6 Uhr angesetzt, so dass der Abend ja noch jung war.
Ich habe selten so viele gute Tänzer und Tänzerinnen auf einem Fleck gesehen. Man hätte meinen können das sind alles Tango Lehrer(innen) und Meister(?)... Es war sehr aufregend...
Den großartigen Empfang als Besucher - unbekanntes Gesicht - aus einem anderen Land habe ich nicht bekommen, so wie wir das hier machen wenn ein Gast von wo anders kommt...ich spreche auch nicht so gut Französisch...Es hat sich halt niemand dafür interessiert.
Aber ich konnte auch ein paar gute Runden schön tanzen und hatte auch genügend Gelegenheit zu zuschauen (was heißt: ich hätte gerne viel mehr getanzt!)
Bei der Auswahl an schönen guten Tänzerinnen, wie es da war... ist"Mann" wohl nicht unbedingt erpicht gewesen ein unbekanntes Gesicht, bei dem man auch nicht weiß wie sie tanzt aufzufordern. Obzwar an meinem Gesicht ja nichts auszusetzen wäre. ;o
Es war ähnlich wie ich es aus dem Matrix kenne: lauter gute Tänzer da, aber die tanzen nur untereinander. Hey, Jungs, Abwechslung macht das Leben spannender!
Es war trotzdem schön, auch wenn ich mich etwas fremd gefühlt habe.
Meine Mutter und meine Tochter waren total begeistert von dem was sie sehen konnten.
Sie hatten ja auch nicht die Erwartung ganz viel zu tanzen, wurden trotzdem beide mehrfach aufgefordert, haben aber allen abgesagt. Meine Mutter sagte schon: "da ist ein junger Mann zu mir, alter Schachtel gekommen und hat mich tatsächlich aufgefordert!"
Wir sind dann um ca 3:30 aufgebrochen. Nachdem es nicht geklappt hat ein Taxi zu rufen entschlossen wir uns für den Fußweg bis zum nächsten Taxistand. Wir hatten Glück und es kam auch gerade ein Taxi so dass wir dann recht bald in unserem Hotel auf der Place de la sorbonne waren.
Donnerstag, 25. Oktober 2007
der Morgen danach...
Am Morgen, nachdem man Nachts Tango getanzt hat, ist es immer schwer aufzustehen, wenn man so ein Nachtschwärmer ist, wie ich es bin. Es ist wieder spät geworden heute Nacht im Keese und heute Morgen fühle ich mich, wie durch eine Walze gezogen.
Dann habe ich gestern Abend noch entdeckt, dass sich bei einem meiner neuen Schuhe der Absatz von der Sohle gelöst hat! Horror!
Also ab zu Mister Minit, ich brauche meine Schuhe!
Aber es waren recht viele Leute da gestern Abend und das ist natürlcih schön!
Nun ist auch meine Mutter vom Tango infiziert und weil sie nach Hamburg gekommen ist damit wir dann morgen gemeinsam nach Paris (!) fliegen, hat sie natürlich gleich bei Gustavo ihre erste Tango Stunde erhalten.

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