Sonntag, 18. November 2007

Wie ist das eigentlich?

Empfinden Männer und Frauen das Gleiche beim Tango tanzen?
Schwer zu beantworten..
Ich weiß zumindest was ich fühle, wenn ich die Gelegenheit habe schön zu tanzen.
Und es ist ausschlaggebend wie es sich an fühlt ob es zu einem Rausch wird oder zu einer Bewegungsübung.
Sprich, wie sich mein Tanzpartner an fühlt, wie sich sein Führen an fühlt, wodurch eben dieses Gefühl erzeugt wird, das es ausmacht.
Eine sehr große Rolle dabei spielt natürlich die Musik. Ohne die Musik wäre da nicht halb so viel Spaß und Freude dabei.
Ich kann mir vorstellen, dass es für den Mann schön ist, wenn die Frau sich so von ihm führen lässt, dass er es fast gar nicht merkt, dass er da jemanden durch den Saal leiten muss. Wenn eine Einheit der Bewegung entstehen kann, wenn es sich einfach nur warm und weich an fühlt, wenn er es beliebig modellieren kann, nach Lust und Laune.
Das Schöne ist ja, dass sich so was bei mir sofort überträgt und ich mich dann auch ganz darauf einlassen kann. Jede Form von Beziehung kann nur funktionieren, wenn man sich darauf einlassen kann. Und erst wenn das gelingt, wenn man die Umarmung und die Bewegungen als eine Einheit spürt, dann kommt dieses Entzücken, dieses befriedigende Gefühl zustande. Und für einen Augenblick auch ganz viel Nähe.

Samstag, 17. November 2007

Zitat von Wolfram Fleischhauer:

"Der Mann führt und denkt, die Frau verführt und lenkt."

Dem habe ich nichts hinzu zu fügen... ;)
Ihr vielleicht?

Zur Erläuterung: das ist aus dem Buch: "Drei Minuten mit der Wirklichkeit", ein unglaublich schönes Buch! Wer den Tango liebt oder auf dem Wege dahin ist es zu tun sollte es lesen!

Donnerstag, 15. November 2007

Augenblicke

Die Sehnsucht nagt in ihrer Brust. Sie muss versuchen sich zu konzentrieren, damit sie nicht wieder einen Fehler macht. Es ist außerdem auch unfair dem Mann gegenüber, nicht ganz bei ihm zu sein, wenn sie mit ihm tanzt, sie weiß es. Für einige Augenblicke gelingt es ihr auch, sich in die Bewegung des Anderen hinein zu finden. Doch dann kommt wieder der Refrain dieses Tangos und ihre ganzen Anstrengungen sind zunichte. Wieder schweifen ihre Gedanken in die Ferne und der Druck unterhalb des Herzens nimmt zu. Ein tiefer Seufzer entweicht ihr.
Ihr Tanzpartner drückt sie für einen Moment etwas fester an sich, er muss ihr Aufatmen falsch verstanden haben. Verlegen lächelt sie ihn an, als die Musik zu Ende ist und verspürt etwas Scham darüber, dass sie nicht ehrlich ist.
Sie sehnt sich nach diesem Gefühl, das sie alles um sich herum vergessen lässt und spürt, wie die Welle der Trauer wieder über sie einstürzen will.
Dieses Gefühl konnte sie haben in den wenigen Momenten in denen sie ...
Aber es ist sicher besser so, sie wäre ihm sonst vielleicht ganz verfallen.
Ihr Körper reagiert automatisch auf die Tanzbewegungen, sie ist nicht wirklich bei der Sache.
Ihr fällt der Spruch eines alten Meisters wieder ein, den ihr ihre Yoga Lehrerin unlängst vorgelesen hat : "Jeder Augenblick des Lebens ist eine Gelegenheit und die größte Gelegenheit besteht darin den Wert der Gelegenheit zu erkennen."
Sie hätte die Gelegenheit jetzt und hier mit dem Mann der sie gerade führt und dreht, ein paar schöne Momente zu erleben...
Sie fühlt dass sie etwas steif ist und sie kann sich auch nicht mit dem Duft, der von ihm ausströmt anfreunden. Er steht wie eine Mauer zwischen ihnen und hindert sie daran es doch zu schaffen, in seinen Kreis einzutauchen.
Jeder Augenblick ist eine Gelegenheit... wie viele Gelegenheiten hat sie schon verpasst, sie gar nicht wahr genommen oder war unfähig eine Entscheidung zu treffen!
Der Tango ist nun zu Ende, die Cortina erklingt und gibt ihr die Möglichkeit sich zu bedanken. Ein leichtes Bedauern zuckt in seinen Augen und vielleicht auch die Frage: "war ich nicht gut genug?"
Sie lächelt ihm noch ein mal zu, das Gesicht zu einer freundlichen Maske geformt.
Weit hinter ihren Augen aber ist ein tiefer dunkler See, voller Tränen...

Sonntag, 11. November 2007

Richtig abgetanzt...

In den letzten Tagen war ich wieder öfter tanzen, weil ich am Abend Zeit hatte. Ich wollte eigentlich mal wieder jeden Tag gehen, das hat dann doch nicht hingehauen.
Aber ich habe es geschafft Andreas zu überzeugen auch am Samstag ins "Abrazzo" zu gehen. Ich sagte zu ihm, das ist das letzte Mal, dass ich in diesem Alter tanzen gehe."Ha, Ha" meinte er dazu, aber so ist es wirklich. Außerdem habe ich ihm angeboten dass er trinken kann weil ich uns dann nach Hause fahre. Es ist nämlich so, dass er da nicht so gerne hin geht, weil es immer so voll ist, weil die Leute rempeln, man keinen Platz zum Tanzen hat und und und.

Es wurde tatsächlich wieder sehr voll, die Menschen strömten und strömten ohne Ende. Nun, ich habe gehofft mit vielen guten Tänzern zu tanzen. "Welpenspielstunde" nennt Andreas das. Wenn man einen Welpen hat, geht man mit ihm zur Welpen Schule oder auf die Hunde Wiese, lässt den Welpen von der Leine los und der Welpe ist selig, dass er mit den anderen Hunden spielen kann. Der Hundebesitzer steht am Rande guckt seinem Welpen zu, freut sich dass er sich amüsiert und wenn der Welpe ausgetobt ist gehen sie wieder nach Hause.

Nun ist es überhaupt nicht so, dass ich an der Leine bin, Andreas besitzt mich auch nicht und ein Welpe bin ich schon gar nicht! aber wenn er sein Bierchen oder nach Lust Wein trinken kann, "erträgt" er das Gedränge dann auch.

Tja, dann war es aber durchaus nicht so, dass er nur am Rande gesessen ist und ertragen hat, er hat sogar fast öfter getanzt als ich (mit anderen Frauen natürlich) und hat nach dem siebenten Glas Wein aufgehört zu zählen. Er war in guter Stimmung und ich hatte bald einen platten Hintern, nach so langem Sitzen. Komisch, aber irgendwie kam nichts vernünftiges zustande. Ich hatte zwar schon ein paar nette Runden hinter mir, (na ja, vielleicht sind meine Erwartungen auch zu hoch), aber ich wollte noch ein wenig Rausch erleben. Da hat mich dann tatsächlich der Tango Tänzer schlechthin aufgefordert. Oh je... ich habe ihn glücklicherweise erkannt und danken abgelehnt (was ich sonst nie tue), aber was der in der Tango Szene zu suchen hat, weiß ich nicht. Vielleicht hat ihm jemand den Tip gegeben dass da ganz hübsche Frauen dabei sind... ;) Ich hatte schon mal Gelegenheit ihn zu beobachten und die armen Frauen die ihm zum Opfer gefallen waren haben mir echt Leid getan. Was er da tut ist kein Tango Tanzen sondern ein unrythmisches Gezappele. Frau kann froh sein, wenn er nicht ihre Füße trifft. Man weiß wirklich nicht wo man sie hinsetzen soll. Klar bin ich sonst der Meinung: Hauptsache es macht Spaß - aber den muss er ja nicht mit mir haben.

Also ich war bedient und wollte schon nach Hause fahren. Da aber Andreas immer am Tanzen war ging das nicht. Nun, ich habe dann einfach selber jemanden mit dem ich schon mal getanzt hatte und was mir gut gefallen hatte aufgefordert (was ich sonst auch nicht tue..).

Und dann bin ich doch noch in den erwarteten Genuss gekommen als mich ganz zuletzt ein unbekanntes Gesicht lächelnd aufforderte. Es war schon sehr spät und auch die Fußsohlen taten schon weh... Und das war gar nicht jemand von hier und er war zum ersten Mal in Hamburg bei einer Milonga und total begeistert. Wir haben ihm dann natürlich auch von Café Kesse erzählt und ich glaube, er wird auch mal dahin kommen.

Samstag, 10. November 2007

Verliebt in ein Gefühl

Verliebt in ein Gefühl. So könnte man das beschreiben. Darin begriffen ist alles was man durch den Tanz empfindet. Ich liebe dieses Gefühl, das ich haben kann wenn alles stimmt. Wenn die Art geführt zu werden geschmeidig ist, das heißt weich und präzise. Wenn ich mich nicht gegen etwas wehren muss, darum kämpfen muss meine Achse zu behalten, sondern mich der Geschmeidigkeit des Andern hingeben kann. Wenn ich nicht darüber nachdenken muss,was vielleicht als nächstes kommt, sondern meinen Körper frei lassen, die Musik tanzen kann. Das setzt natürlich auch Musikalität bei dem, der mich führt vorraus.
Es ist in der Tat sinnlich und ich fühle mich dann einfach schöner.
Jetzt will ich mal wissen, welche Frau so was nicht gut findet!
Und wie das so ist, wenn man verliebt ist weiß ja jeder: man kann nicht aufhören daran zu denken...fühlt sich berauscht, beflügelt.
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heute ist mir beim Einkaufen ein Buch über den Weg gelaufen...ich musste schmunzeln, denn der Titel heißt: "Sex mal Tango" von Sarah Michelle. Na denn, dann muss ich ja kein Tango Buch mehr schreiben... ;) Bin ja gespannt was da so drinnen steht - sollen seidig-sanft und wild und hemmungslos erotische Storys erzählt werden....

Übrigens: vielen Dank an den Anonymus für den schönen Kommentar zu der Tangotänzerin!

Freitag, 9. November 2007

Wenn man die Monate wie auf einer Leiter ansiedeln würde, dann ist für mich der November an unterster Stelle angesiedelt. Die Stimmung in der ich immer in diesem Monat bin, ist irgendwo zwischen Trauer, Sehnsucht, Müdigkeit, Gereiztheit, in mir versunken sein...
Es gibt aber auch einige wenige helle Momente. Diese finden natürlich, seit dem ich Tango tanze erheblich öfter statt.
Im Großen und Ganzen aber zum Verkriechen.
Also will ich so oft wie möglich tanzen, weil es mir dann gut geht.

Donnerstag, 8. November 2007

Gestern Abend war ein "prickelnder" Abend :
erst unser Konzert, was sehr gelungen war und bei dem wir sehr gute,
noch junge Solisten hatten. Da ist dann die Stimmung schon recht high!
Beim Musizieren öffnet man sich ja, wenn man vor Publikum spielt. Man gibt was Preis von sich, man lässt den Zuhörer sozusagen ein wenig hinein schauen in die eigene innere Welt. Und auch da ist es, wie bei so vielen Dingen im Leben, bei denen man etwas mit einem anderen Menschen zusammen tut: die Chemie muss stimmen. Wenn das nicht so ist, dann funktioniert es nicht gut, man findet keine Inspiration, die nötig ist, um sich selber und die anderen mit seiner Musik zu berühren. Dann macht es auch keinen Spaß, dann ist es einfach nur ätzend.
Nach unserem Konzert bin ich dann noch schnell ins Cafè Keese gefahren um wenigstens noch eine kleine Runde "zu drehen". ich war also schon in bester Stimmung, die wurde durch das Tanzen noch gehoben und zur Krönung gab es auch noch echten (!) Champagner zu trinken!
So könnte es eigentlich jeden Tag sein...mal sehen wo ich heute Abend tanzen werde...

Dienstag, 6. November 2007

Die Tango Tänzerin

Schon den ganzen Tag denkt sie an fast nichts mehr anderes, als dass sie am Abend wieder Tango tanzen wird.
Sie überlegt zwischendurch, was sie anziehen könnte. Dann schweifen ihre Gedanken zuweilen zum einen oder anderen Tänzer.
Ob Er wohl auch kommen wird?
Dann ist es soweit, die Nacht senkt sich und in ihrer Magengrube fangen die Ameisen an ihr Nest zu bauen.
Nun hat sie das schon so oft gemacht und doch spürt sie jedes Mal diese leichte Ungeduld, dieses Entzücken, dieses Zittern.
Beim Eintreten in das Gebäude hört sie schon etwas verklärt die Tango Musik und spürt, wie Lust und Freude hoch kommen: „endlich da“.
Sie tritt ein, ein sanftes Lächeln im Gesicht und lässt ihren Blick durch den Raum schweifen.
Auf der Tanzfläche bewegen sich schon einige Paare im Rhythmus der Musik, ganz ineinander versunken.
Es sind auch bekannte Gesichter dabei, sie fühlt sich geborgen.
Küsschen rechts, Küsschen links, wie geht es so?
In dieser Oase sind alle gut gelaunt und haben Spaß.
Sie sucht sich einen Platz und fängt an die Tangoschuhe an zuziehen.
Dabei wirft sie ein paar verstohlene Blicke in die Runde, sie kann ihn noch nicht entdecken.
Aber die Lust gleich zu tanzen ist größer, als die kleine Enttäuschung darüber.
Sie holt sich noch ein Glas Wein an der Bar und überlegt gerade wo sie sich nieder lassen soll, da kommt er ihr entgegen:
„darf ich bitten?“ Ein Schauer durchläuft sie und sie ist stumm vor Freude. Sie nickt lächelnd und folgt ihm auf die Tanzfläche. Sie bleiben kurz voreinander stehen, halten einen Augenblick inne, dann heben sich die Arme wie von alleine in die Umarmung ihrer Körper.
Der erste Augenblick des Tanzes ist immer wie der erste Schluck nach lange erlittenem Durst.
Die Seele möchte aufatmen um sich dann wehrlos an seiner Brust nieder zu lassen.
Die Bewegungen sind im Einklang, die Körper Sehnsuchtvoll zusammengeleimt, die Füße verknotet.
Sie sind verbunden durch diese Lust, die sie durch jeden Schritt zum Ausdruck bringen, die sie beide spüren wenn das Bandoneon klagt.
Dann ist die Musik zu Ende. Die Zeit steht still, sie gehen auseinander,
lächeln sich zaghaft an, als wäre es unangenehm, sich nach so viel Nähe in die Augen zu schauen, um dann beim Einsetzten der Musik erneut aufeinander zu gehen.
Immer und immer wieder geben sie sich dem Zauber der Musik hin. Sie schließt die Augen und bewegt sich schwebend, wie eine Welle, die, angetrieben von einer unsichtbaren Kraft sprudelt, schäumt sich überschlägt oder sanft gleitet.
Die Körper fangen an zu dampfen, der Schweiß rinnt, ihr Rock schwingt hin und her, das Bein fliegt. Die Körper entfernen sich voneinander in der nächsten Drehung, wie um festzustellen, dass man auch wirklich miteinander tanzt, um aus dem entstandenen Abstand wieder aufeinander zugehen zu können.
Ihre Füße fangen an zu schmerzen, aber sie ignoriert es. Die Kehle ist ganz trocken, sie könnte jetzt sowieso nichts sagen. Zwischendurch ein Lächeln…und Schweiß von der Stirn gewischt. Als sich nach mehreren Runden eine leichte Ermattung anfängt spürbar zu machen, weiß sie,
es ist gleich zu Ende.
Noch ein kurzes lächeln: „vielen Dank“, und schon geht jeder in eine andere Richtung.
Berauscht und glücklich setzt sie sich, die Seele ist noch irgendwo in der Mitte der Tanzfläche und weht da wie ein seidener Vorhang im Wind hin und her.
Der Abend wird noch lang, sie hofft auf ein paar weitere Tänze mit ihm; manchmal kommt sie noch in diesen Genuss, manchmal auch nicht.
Ihr Weinglas ist inzwischen leer und ihr Körper voller Euphorie. Sie zieht ihre Schuhe aus und kann ihre Fußsohlen nicht mehr spüren…
Später, wenn sie dann im Bett liegt tanzt sie noch lange mit ihm – in Gedanken.